Herrenhaus Cölpin


Die Parkansicht vom Herrenhaus, 1996


Blick auf die Parkanlage von der Terasse aus

Stephan Werner v. Dewitz baute 1780 das Herrenhaus im Übergangsstil vom Zopf zum Empire. Es ist ein zweigeschossiger barocker Putzbau, dessen Vorderfront durch einen flach vortretenden Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel und zwei Seitenrisalite gegliedert ist. Zum Gutshaus gehört eine umfangreiche Parkanlage.
Das Doppelwappen im Dreiecksgiebel zeigt die Wappen von Dewitz und von Bülow. Seit 1951 steht das Cölpinerhaus unter Denkmalschutz. Bis 1945 befand sich das Gut im Besitz der Familie von Dewitz. Nach 1945 wurde das Gutshaus für eine Schule und eine Gaststätte genutzt. Seit 1992 beherbergt es die Johanniter-Unfallhilfe.
Zuletzt wohnte hier Wolf-Friedrich, Graf Finck von Finckenstein mit seinen Eltern.


Doppelwappen der Familien von Dewitz und von Bülow
 
Stephan Werner und seine Bedeutung für Cölpin


Der letzte Besitzer von Cölpin, Friedrich („Fritz“) v. Dewitz (702Cö, *19.1.1883...+8.7.1967)
mit Marie-Agnes, geborene v. Wedel
*24.11.1888...+29.10.1945


Haus Cölpin, der Salon, um 1925


Haus Cölpin, der Salon im Mai 1996

Während es für einige ein Wiedersehen war, war es für andere eine völlig neue Erfahrung: Cölpin mit Kirche, Gutshaus und landwirtschaftlicher Umgebung. Hier liegen die wirklichen Wurzeln unserer Familiengeschichte, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen. Um das Wissen über die Geschichte Cölpin zu bereichern, seien im folgenden die Aufzeichnungen von Stephan Werner in einigen Passagen zitiert. Vermutlich ist das Original am Ende des Krieges in Cölpin vernichtet worden. Paul Gantzer hat aber in der Familiengeschichte (Bd. 2, S. 406-418) entscheidende Abschnitte festgehalten.
Sie beginnen mit der Eintragung vom 20. März 1711: „Ich, Stephan Werner von Dewitz, herzogl. Meckl.-Strelitzischer Geheimer Rath und zugleich einige Jahre gewesener Hofmarschal und Camer-Director habe mir vorgenommen, ein und andere mein altväterl. Lehnguth Cölpin und dessen Besitzer betreffende Umstende und Nachrichten zu sammeln und bei müßigen Stunden zu Papier zu setzen.“
Ausführlich berichtet Stephan Werner von Erziehung, Ausbildung und Beruf, bevor er die folgende Begründung für seinWohlergehen nach dem erreichten 60. Lebensjahr gibt:
„Ich genieße mehr denn 60 Jahre eine gottlob gute, starke Gesundheit. Des Mittags zuweilen 2-3 Gläser Mittelbier, um alvum laxam zu haben. Dann Vorund Nachmittag kaltes Wasser, zu Abend 3 Gläser; wohl in 8 Tagen kein Wein, seit 30 Jahren nicht für 8 Gr. Liqueure, abgezogenen Wassers, Branntwein v. dgl.. Ich reite oder gehe fast alle Tage wenigstens 4 mal die Woche, ohne mich an Wind und Wetter, Schnee oder Regen, Hitze oder Kälte zu kehren. Kopf- und Gichtsschmerzen verscheuche ich mit kaltem Wasser, curire gleicher Gestalt damit schwachen Magen und Indigestion.“
Auch in Gesellschaften habe er, wenn Tee, Limonade Punsch, Kuchen undKonfekt erumgegeben wurde, nur dann etwas genommen, wenn Obst präsentiert wurde, „ein paar Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen“. Aber uns soll eigentlich mehr interessieren, was er für Cölpin getan hat. Dazu berichtet er, daß er schon von Jugend an Lust zum Baumpflanzen gehabt habe, und deshalb nach der Übernahme von Cölpin alle Wege mit Weiden bepflanzen ließ, die Grenzen mit Weiden und Hagebuchen besetzen und im Gehölze nach Dewitz und Pragsdorf im Herbst 1773 Eichen gesät habe. Außerdem ließ er Nüsse, Eiben, Lärchen, Weißtannen und Weymouth-Tannen, deren Samen er aus England mitbrachte, anpflanzen. Am 1. November 1774 notierte er, daß er viel für Cölpin getan habe und solche Verbesserungen, deren Nutzen er nicht mehr erleben werde: „-- Alles meinen lieben Nachkommen zum Besten, und daß dieses uralte Dewitzsche Stammund Lehngut Cölpin bis an das Ende der Welt ein Erbtheil meines Geschlechtes bleibe und jene Brod, Gedeihen, Segen und Ehre unter Gottes Obhut dabei haben mögen. Das verleihe der Allerhöchste.“ So beschloß Stephan Werner Mitte der 70er Jahre des 18. Jahrhunderts, ein neues Gutshaus zu bauen. 1779 wurde das Fundament und das erste Stockwerk fertig, 1780 wurde dann das zweite Stockwerk errichtet und das ganze Gebäude unter Dach gebracht. Paul Gantzer gibt wieder: „Nach der Vollendung sah Stephan Werner von Dewitz ein, daß er das Haus zu groß gebaut habe. „Behüte doch der Allerhöchste, daß weder mein Sohn, falls ihn Gott erhält, noch ein anderer meiner Nachkommen dies Haus zum Fress-, Sauf-, Spiel- und Tanzhause machen und dabei ihr wolerworbenes altväterliches Erbguth und Vermögen ...verprassen, verschlemmen und mit Sünden durchbringen möge.“
1781 blieb das Gebäude zum Trocknen stehen, 1783 wurde der Ausbau vorgenommen. Dann wurden die Fenster eingesetzt, Keller und Schornstein ausgemauert. 1784 - 1785 wurde das Haus getüncht und der Hofplatz geebnet. Schon 1785 hat er einen neuen Viehstall bauen lassen. Über dessen Tür stand der Spruch: „Feuer, Krieg und allen Schaden Wende treuer Gott in Gnaden“. Von seinen Reformen sei erwähnt, daß Stephan Werner 1777 das Spinnen für die Bauernjungen in Cölpin eingeführt hat und durch Prämien bemüht war, das Vorurteil gegen diese als rein weibliche Tätigkeit angesehene Arbeit abzubauen suchte. Vor allem aber hat er die Kirche mit neuem Altar, einer neuen Kanzel und einem herrschaftlichen Chor ausschmücken lassen. Die Empore um die Orgel bezeichnete er als „Amphitheater“, damit auch die Tagelöhner, Knechte und Jungen Platz in der Kirche bekamen. Die Inneneinrichtung der Kirche in Cölpin ist zum großen Teil als Werk Stephan Werners erhalten geblieben. Nicht nur hat er alt und neu sensibel beieinander gelassen, zum Beispiel den alten Altar nicht etwa entfernt, sondern hinter dem neuen Kanzelaltar anbringen lassen. Wer diesen Kanzelaltar aufmerksam betrachtet, dem fiel sicher auch der Giebelschmuck auf: das Kreuz, die schlichten Zahlen der 10 Gebote. Für den protestantischen Norden war dies als Ausdruck der Aufklärung ungeheuer modern. Abschließend sei noch erwähnt, daß Stephan Werner maßgeblich die Aufteilung der pommerschen Güter unter seinen Brüdern geregelt und gesichert hat. Vor allem hat er selbst auf seinen Anteil verzichtet, und sich nur die alten Familienbilder aus Hoffelde erbeten. Vermutlich sind dadurch die Portraits von Jobst und Ottilie, die der Cranachschule zugerechnet werden, nach Cölpin gelangt. Stephan Werner hat nicht nur Großes im Dienst seiner Fürsten, sondern auch für die Familie vollbracht. Vor allem hat er aber auch damals schon viel Sinn für Geschichte und Tradition besessen. Mit einem Lächeln liest man seine Ausführungen zum persönlichen Wohlergehen, aber durchaus ernsthaft kann man Person und Lebenswerk dieses Vorfahren auch heute noch als Vorbild ansehen.